Der Lebenslauf
Wie schreibe ich einen "aussagekräftigen" Lebenslauf?
Lassen Sie mich mit einem Exkurs zur allgemeinen Lage in der "Hightech-" und Elektronik- Industrie in Zeiten der Wirtschaftskrise beginnen:
Speziell die kapitalintensiven "Hightech-" und Elektronik Firmen sind massiv unter Kostendruck gekommen. Die einzige Möglichkeit, sofortige Kosteneinsparungen zu realisieren ist der kontrollierte Personalabbau.
In den Boom Jahren nach dem Platzen der Internetblase zwischen 2003 bis 2008, wurde in dieser Branche im großen Stil eingestellt und „befördert“. Teils wurden dringend benötigte Fachkräfte zu teuer „eingekauft“ und Mitarbeiter durch Beförderungen „gehalten“.
Heute rächen sich diese unkontrollierten Maßnahmen bitter. Um Kosten zu sparen und nicht die immer noch dringend benötigten Fachkräfte zu beschneiden, werden mittlere und höhere Managementstrukturen abgebaut. Dies passiert durch betriebsbedingte Kündigungen, meist aber im Rahmen von Aufhebungsverträgen.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass durch die verschiedensten teils spektakulären Insolvenzen weitere Fach- und vor allem Führungskräfte in großer Zahl auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind.
Viele dieser Personen, die jahrelang in einer vermeintlich sicheren und gut bezahlten Position tätig waren, sind nun also damit konfrontiert, einen wichtigen und aussagekräftigen Lebenslauf zu schreiben.
Besonders, da auf der anderen Seite nur beschränkt offene Stellen zur Verfügung stehen. Vor allem natürlich in den „höheren Gefilden“. Viele Firmen gehen nach der dringend erforderlichen Bereinigung zwar nun wieder dazu über, kontrolliert aufzubauen. Dies aber sehr gezielt und mit sehr flachen Hierarchien.
Was uns dabei besonders auffällt, ist die Kompromisslosigkeit, mit der bei der geplanten Einstellung vorgegangen wird. Es werden nur Kandidaten akzeptiert, die das Anforderungsprofil zu 100% treffen. Auch auf die Gefahr hin, dass die Suche sehr lange dauert. Lieber bleibt die Position unbesetzt, als dass Kompromisse mit z. B. Quereinsteigern akzeptiert werden. Positionen im mittleren Management werden kaum nach besetzt. Diese Strukturveränderungen werden meiner Einschätzung nach auch so bleiben.
Nun aber zurück zum aussagekräftigen Lebenslauf:
Im Prinzip bekommt eine "Hightech-" oder Elektronikfirma auf jede offene Position eine Vielzahl von Bewerbungen, teilweise sogar so viele, dass die Personalabteilungen mit der Bearbeitung völlig überfordert sind. Auch wir als Personalberatung bekommen unzählige Bewerbungen, auf ausgeschriebene oder nicht ausgeschriebene Positionen. Die meisten dieser aufwendig verfassten Lebensläufe, die ich täglich bekomme, unterscheiden sich – etwas überspitzt gesagt – allerdings nur durch das Photo der beschriebenen Person. Es wird immer der „Alleskönner“ beschrieben. Nach dem Lesen fragt man sich allen Ernstes, was derjenige oder diejenige eigentlich nicht kann. Konkretes aber fehlt!
Also: Was kann man besonders gut, welche Erfolge wurden erzielt. Auf welches konkrete Fachwissen kann aufgebaut. Erschwerend wird in einigen dieser Lebensläufe nur so mit Titeln um sich geworfen. Dies mag in der alten Firma bestimmt sehr wichtig gewesen sein, hat aber auf dem Bewerbungsmarkt keinerlei Bedeutung mehr. Im Gegenteil: Oft wandert solch ein Lebenslauf sofort auf dem Stapel der Absagen, da die offensichtlich angestrebte Managementposition nicht existiert, sondern der Spezialist gesucht wird.
Ich empfehle Kandidaten immer wieder, sich viel operativer darzustellen. Der Positionstitel ist nicht wichtig, sondern Ergebnisse:
Also: Was habe ich als Positionsinhaber getan, um zum messbaren Erfolg der Firma beizutragen. Wenn jemand im Vertrieb war und sich auf eine Vertriebsposition bewirbt, muss in seinem Lebenslauf stehen, welche Kunden er betreut hat und welche Umsatzsteigerungen er erreicht hat.
Viele Lebensläufe, die mit der Hilfe von Outplacementberatungen verfasst und in wochenlanger Detailarbeit verfeinert werden, sagen am Ende vor lauter Allgemeinplätzen gar nichts mehr aus. Man müsste anrufen und nachfragen, was denn nun wirklich Sache war. Meist legt man diesen CV auf die Seite und wendet sich dem nächsten zu, der – in diesen Tagen – meist auch zu finden ist.
Meine Tipps:
- Zeigen Sie auch im Lebenslauf "Ecken und Kanten" - wir brauchen wieder mehr Arbeitnehmer mit Profil.
- Stellen Sie Ihre Spezialkenntnisse heraus.
- Achten Sie darauf, Ihre operativen Fähigkeiten darzustellen.
- Titel sind meist "Schall und Rauch".
- Seien Sie ehrlich (es ist keine Schande gekündigt zu werden - Unehrlichkeit aber schon).
- Stellen Sie Ihre Erfolge konkret dar - nennen Sie Projekte und Kunden beim Namen.
- Achten Sie auf lückenlose zeitliche Darstellung.
Ein entsprechend geschriebener Lebenslauf ist zwar noch keine Garantie für einen neuen Arbeitsvertrag, er verbessert aber die Chancen zum Gespräch zu kommen, erheblich.
In diesem Sinne: Gutes Gelingen!
| Michael Köhler
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