11.07.2016

Bewerber sollten „weiche“ Faktoren beachten

Wer sich für einen Jobwechsel interessiert, sollte nach den sog. „weichen“ Faktoren eines potenziellen Arbeitgebers fragen und sie nicht etwa unterschätzen. Dass sich das lohnt, zeigt eine neue Studie.

Medium initiativbewerbung Jobwechsel gewünscht? Filtern Sie heraus, wie ernst der potenzielle Arbeitgeber die Personalführung nimmt.

Mitarbeiterorientierte Betriebe nehmen Gesundheitsschutz ernst, machen Qualifizierungsangebote und führen regelmäßige Mitarbeitergespräche. Und haben damit Erfolg: Einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge sind die Angestellten solcher Firmen zufriedener, engagierter und schauen sich weniger nach neuen Arbeitgebern um. 

Was wie eine Binsenweisheit klingt, hat ernst zu nehmende Relevanz. Denn auf Dauer können körperliche und psychische Belastungen am Arbeitsplatz der Gesundheit schaden. Acht von zehn Beschäftigten in Deutschland berichten von mindestens einer belastenden Arbeitsbedingung wie Termindruck, Informationsflut, körperlicher Anstrengung oder von unangenehmen Umgebungsbedingungen wie Hitze, Kälte oder Lärm. 

Am häufigsten werden Termindruck und Multitasking genannt: Sechs von zehn Beschäftigten sind davon nach eigenen Angaben betroffen. Von unangenehmen Umgebungsbedingungen berichten vier von zehn Beschäftigten, von einer schwer zu bewältigenden Menge an Informationen drei von zehn Beschäftigten.

Gleichzeitig steuern aber auch acht von zehn Betrieben dem entgegen, indem sie über das hinausgehen, was gesetzlich verpflichtenden ist. So analysiert mehr als die Hälfte der Betriebe den Krankenstand im Betrieb. Je ein Drittel führt Mitarbeiterbefragungen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz durch oder hat innerbetriebliche Angebote wie etwa eine aktive Pausengestaltung, Betriebssport oder Gesundheitstage. Schulungen und Beratungen werden von mehr als einem Viertel der Betriebe angeboten, externe Gesundheitsangebote werden von einem Sechstel finanziell unterstützt. 

„Zwar sind Beschäftigte, die von Termindruck und Multitasking oder von einer schwer zu bewältigenden Menge an Information berichten, nicht häufiger krank als andere Beschäftigte; sie äußern aber zum Befragungszeitpunkt ein schlechteres allgemeines Wohlbefinden“, schreiben die IAB-Forscher in der Studie.

Betriebe können ihren Beschäftigten durch das Angebot von Gesundheitsmaßnahmen zeigen, dass sie sich der bestehenden Belastungen bewusst sind und auf diese reagieren, so die Arbeitsmarktforscher. Und betonen: Beschäftigte in Betrieben, die das gesundheitsbewusste Verhalten ihrer Mitarbeiter fördern, sind im Durchschnitt zufriedener.

Gesundheitsförderung sei allerdings nur ein Teilaspekt guter Personalführung und bestimme damit letztlich auch nur einen Teil der subjektiv empfundenen Arbeitsqualität von Beschäftigten. Neben dem richtigen Umgang mit potenziellen Belastungen bei der Arbeit hänge Arbeitsqualität maßgeblich mit Entwicklungsförderung und Wertschätzung durch den Betrieb zusammen.

„Beschäftigte in Betrieben, die dies in ihren Personalmaßnahmen berücksichtigen, sind zufriedener und engagierter, fühlen sich stärker ihrem Arbeitgeber verbunden und denken deutlich seltener über einen Arbeitgeberwechsel nach“, erklären die Arbeitsmarktforscher.

Das IAB hat für seine Studie mehr als 7.000 Beschäftigte in rund 1.000 Betrieben mit mindestens 50 Mitarbeitern befragt.



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