04.10.2013

Deutsche Industrie integriert Engineering Dienstleister tiefer in die Wertschöpfungskette

Deutsche Industrieunternehmen übertragen immer mehr Entwicklungsvolumen an externe Dienstleister. Dabei handelt es sich sowohl um die Vergabe von kompletten Entwicklungsprojekten, als auch um die Beratung von Entwicklungsteams durch externe Experten. Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk in seiner aktuellen Studie „Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland“. Hartmut Lüerßen, Partner bei Lünendonk, erklärt die steigenden Budgets für Dienstleistungen wie folgt: „Der hohe Innovationsdruck, komplexe Technologien...

Medium ingenieurdienstleister qd Dienstleister werden immer tiefer in die Entwicklungsprozesse einbezogen. (Bild: panthermedia.net / benis arapovic)
Deutsche Industrieunternehmen übertragen immer mehr Entwicklungsvolumen an externe Dienstleister. Dabei handelt es sich sowohl um die Vergabe von kompletten Entwicklungsprojekten, als auch um die Beratung von Entwicklungsteams durch externe Experten. Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk in seiner aktuellen Studie „Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland“.

Hartmut Lüerßen, Partner bei Lünendonk, erklärt die steigenden Budgets für Dienstleistungen wie folgt: „Der hohe Innovationsdruck, komplexe Technologien verbunden mit kurzen Innovationszyklen sowie eine limitierte Zahl an internen Ingenieuren verstärken die Nachfrage nach externen Entwicklungsdienstleistungen.“

Der Trend zu einer stärkeren Integration zeigt sich auch daran, dass Engineering Dienstleister und Technologie-Beratungen ihren Umsatz in Deutschland um 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern konnten. Das aktuelle Marktvolumen beträgt damit, nach einer Schätzung von Lünendonk, 8,5 Milliarden Euro.

Werkvertrag statt Arbeitnehmerüberlassung

Gerade in wirtschaftlich instabilen Zeiten streben die Ingenieurdienstleister langfristige Werkverträge mit den Industrieunternehmen an. Wie die Lünendonk Studie zeigt, kommt dieses Streben nach den so genannten „kompletten Work Packages“ den Industrieunternehmen sogar entgegen. Die produzierenden Unternehmen können die Dienstleister mit Werkverträgen tiefer in die Wertschöpfungskette integrieren und dadurch mehr Verantwortung und auch mehr Risiko abgeben. Bei der Arbeitnehmerüberlassung können Projekte zwar oft schneller umgesetzt werden, die Verantwortung und das Risiko bleiben jedoch stets auf der Seite des Herstellers. „Hier zeigt sich, dass Kunden große Gewerke, wie die Entwicklung von Karosserien oder das komplette Testmanagement, an einen oder wenige Dienstleister auslagern. Bei diesen Projekten ist der Engineering-Dienstleister in der Verantwortung, ein komplettes Projektergebnis zu liefern“, erklärt Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk, diese Form der Zusammenarbeit.

Abwerbung durch Kundenunternehmen

Zu kämpfen haben die Engineering Dienstleister allerdings nach wie vor mit der Abwerbung von hervorragenden Fachkräften durch die eigenen Kunden. 58,7 % der Mitarbeiter, die einen Engineering Dienstleister verlassen, wechseln zum Kundenunternehmen, weitere 23,9 % nehmen ein Angebot vom direkten Wettbewerber an. Für die Dienstleister sind diese Zahlen bitter, da sie ihre Mitarbeiter oftmals direkt an den Hochschulen rekrutieren und zu Experten ausbilden. Doch dann lockt die Karriere beim Hersteller. In Deutschland ist diese Problematik besonders verbreitet, da die Abwerbung – im Gegensatz zum europäischen Ausland - nicht gesetzlich untersagt ist. Die Dienstleister integrieren zwar entsprechende Klauseln in ihre Verträge mit den Kundenunternehmen, diese werden jedoch häufig ignoriert.

Herausforderung für mittelgroße Anbieter

Mittelgroße Dienstleistungsunternehmen (ca. 200 – 500 Mitarbeiter) könnten in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen. Der Markt für Ingenieurdienstleistungen teilt sich in drei Gruppen auf: Große Top-Anbieter, mittelgroße Anbieter und kleine Spezialisten- / Nischenanbieter. Die Top-Anbieter verzeichnen ein hervorragendes Wachstum und sind meist international aufgestellt. Für diese Konzerne gibt es derzeit keinen Grund zur Besorgnis. Auch die Nischenanbieter, die über ein Spezialwissen verfügen, brauchen sich nicht zu sorgen. So lange ihre Expertise gefragt und auf dem neuesten Stand ist, sind ihnen Aufträge sicher. Die mittelgroßen Dienstleister können jedoch verständlicherweise weder mit den Preisen der Top-Anbieter noch mit der Expertise der Spezialisten mithalten. Deshalb werden in der Branche immer mehr Zusammenschlüsse von mittelgroßen Dienstleistungsunternehmen erwartet, die so den Sprung unter die Top-Anbieter in Deutschland schaffen wollen.

Die Top-10-Anbieter (gemessen am Umsatz 2012) von Ingenieurdienstleistungen in Deutschland sind derzeit:
  • Platz 1: Bertrandt AG / 635,4 Mio. €

  • Platz 2: IAV GmbH / 461,1 Mio. €

  • Platz 3: Ferchau Engineering GmbH / 421,0 Mio. €

  • Platz 4: Altran GmbH & Co. KG / 348,0 Mo. €

  • Platz 5: MBtech Group GmbH & Co. KGaA / 346,2 Mio. €

  • Platz 6: EDAG GmbH & Co. KGaA / 340,0 Mio. €

  • Platz 7: ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH / 230,0 Mio. €

  • Platz 8: Brunel GmbH / 181,2 Mio. €

  • Platz 9: Randstad Professionals GmbH & Co. KG / 150,0 Mio. €

  • Platz 10: euro engineering AG / 149,1 Mio. €
Mehr Informationen zur Lünendonk Studie „Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland“ erhalten Sie hier: Pressemitteilung Lünendonk

Autor: Maximilian Hülsebusch

Autor: Max Hülsebusch


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