12.09.2016

Ein Kommentar zur VDE Pressekonferenz

Deutschland braucht mindestens 10.000 Elektroingenieure zusätzlich pro Jahr und das bis 2026

Medium michael website2
Eigentlich ist es nicht wirklich neu, dass wir einen Mangel an Ingenieuren haben. Dieser hat sich aber bisher nicht wirklich gravierend ausgewirkt. Warum nicht?

Antworten dazu gibt zum Teil die neue Studie und zwar deshalb, weil hier zum ersten Male fundierte Daten vom letzten Mikrozensus ( Volksbefragung 2013 ) hinzugezogen worden sind. Nach diesen Daten stieg die Anzahl der beschäftigten Elektroingenieure stetig an. Auf der anderen Seite sind die Uni-und Fachhochschulabschlüsse in der gleiche Zeit konstant geblieben. Der sich ergebende Zusatzbedarf  konnte überwiegend mit ausländischen Ingenieuren abgedeckt werden.  Punkten konnten hier allerdings überwiegend große Firmen und Konzerne, da dort die Sprachbarrieren, wesentlich kleiner sind. 

Kleinere Firmen und der traditionelle Mittelstand haben die größten Probleme

In der Tat gibt es hier mehr und mehr Schwierigkeiten, den Bedarf an qualifizierten Ingenieuren zeitgerecht zu decken. Schlechte Erfahrungen mit der Integration von nicht deutsch sprechenden Ingenieuren sind hier an der Tagesordnung. Zu oft passiert es, dass sich ausländische Mitarbeiter in diesem Umfeld nicht langfristig wohl fühlen und deshalb nach kurzer Zeit
wieder kündigen. Speziell für kleinere Firmen ist dies nicht zu letzt ein finanzielles Problem, da die Einarbeitung eines Ingenieurs mit ca. € 100.000 pro Jahr veranschlagt ist. 

Europäische Ingenieure gehen aktuell lieber in die USA oder nach UK, weil Sie dort weniger Sprach- und Integrationsprobleme befürchten

Es könnte also sein, dass der Mangel künftig mehr zu spüren sein wird, da diese Entwicklung erst in letzter Zeit spürbar wird. 

Allgemeine Elektrotechniker, Leistungselektroniker und Informatiker werden freie Auswahl in der Arbeitswelt haben

Aufgrund von neuen Trends wie Vernetzung, Digitalisierung und Energieeffizienz werden sie die Nase vorne haben - vor allem in Funktionen Projektmanagement, Technical Support und Vertrieb. 

Die neue Studie dokumentiert Daten, gibt aber keine Lösungsvorschläge. Wer kann was tun?

Ein Ansatz ergibt sich aus den Studienzahlen. Bei den Elektrotechnik Studiengängen der Unis und FH's gibt es 50% Studienabbrüche. Interessanterweise gibt es bei den männlichen studierenden 50% Abbrecher und bei den weiblichen nur 25%. Natürlich werden die Abbruchursachen intensiv untersucht, da man hier natürlich in sehr kurzer Zeit die Anzahl an Absolventen erhöhen könnte. Was kann optimiert werden  ohne dass dies  natürlich auf Grund der Qualität geschieht? 

Eine weitere Initiative ist es, mehr Frauen für den Beruf des Elektroingenieurs zu gewinnen. 

Auch Flüchtlinge  können mittelfristig zur Verbesserung der Lage beitragen! Dazu wurden neueste Plan-Zahlen vorgelegt: Von den Flüchtlingen, die in Deutschland bleiben dürfen, also Asyl bekommen  haben ca. 25% einen Studienabschluss;  weitere 25% haben eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur) und beide Gruppen haben auch die Fähigkeit, in Englisch zu kommunizieren. Nachgewiesenermaßen ist sogar Anteil an E-Ingenieuren in den arabischen Ländern höher als bei uns. 

Die 3 genannten Themen sind auf der Bildungs- und somit Politischen Seite und damit nur auf gesellschaftlicher Ebene zu beeinflussen. 

Was können/müssen (mittelständische) Firmen unternehmen

Ich halte die  Weiterentwicklung vorhandener Ressourcen für das „A und O“.  Auch Mitarbeiter ohne abgeschlossenes Studium haben viel Potential. So halte ich zum Beispiel die Ausbildung zum staatl. Gepr. Techniker in Deutschland für ausgezeichnet. Darauf lässt sich aufbauen.

Zu hinterfragen ist oft auch die Aufbauorganisation in einem Unternehmen,  mit all den teilweise veralteten Prozessen. Ähnlich wie auch in der Medizin kann man sich fragen, wie viel der Arzt eigentlich mit seiner Kernaufgabe zu tun hat und wie viel er mit administrativen Overload beschäftigt ist – analog in unserem Fall – der Ingenieur?!

Last but not least: Selber ausbilden! Wir haben vor kurzem mit einem Kunden eine eigene Akademie entwickelt mit hervorragenden Ergebnissen.

Autor: Dip.-Ing. Michael Köhler, Direktor SchuhEder Consulting GmbH


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