12.12.2013

engineerING card - Berufsausweis für Ingenieure: Lob Kritik

Medium bild engcard erklaerung 644px Die engineerING card soll die Mobilität in Europa erleichtern, steht aber zugleich in der Kritik. (Bild: VDI)
Die engineerING card ist ein internationaler, freiwilliger Berufsausweis für Ingenieure. Umgesetzt wurde das Projekt vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der European Federation of National Engineering Associations (FEANI). Die engineerING card wurde bislang in zehn europäischen Ländern eingeführt, weitere EU-Mitgliedsstaaten arbeiten derzeit noch an der Einführung. 

Welche Ziele verfolgt die engineerING card? 

Das Ziel des Dokuments ist, europaweit mehr Transparenz und Mobilität zu schaffen. Außerdem sollen die Qualifikationen und Hochschulabschlüsse durch den Ausweis besser vergleichbar werden. Besonders im Recruiting könnte das Vorteile mit sich bringen. So lobt Markus Eckardt, Geschäftsbereichsleiter beim europäischen Ingenieurdienstleister Brunel, den neuen Berufsausweis: „Als international tätiger Ingenieurdienstleister sehen wir die Vorteile der engineerING card insbesondere in der Vergleichbarkeit aller europäischen Hochschulabschlüsse. Dies ist gerade im Bereich des Personal-Recruitings ein enormer Fortschritt."

Als erster europäischer Ingenieurdienstleister unterstützt das Unternehmen Brunel die engineerING card. Gerade international agierende Arbeitgeber sollen ihren steigenden Bedarf an Fachkräften auf dem europäischen Binnenmarkt stillen können; und das mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand.

Welche Daten werden gespeichert?

Die engineerING card besteht aus dem eigentlichen Ausweis im Scheckkartenformat und einem passwortgeschützten Online-Zugang zur Datenbank. In der Datenbank werden die Hochschulabschlüsse sowie die entsprechenden beruflichen und fachlichen Qualifikationen abgespeichert. Diese Daten kann der angemeldete Ingenieur jederzeit als persönlichen Registerauszug online abrufen und ausdrucken.

„Die engineerING card wird im Heimatland ausgestellt und sieht europaweit identisch aus. Sie bescheinigt dem Inhaber seine fachlichen Qualifikationen und macht diese für Unternehmen international vergleichbar“, sagt Eva Köppen, Projektleiterin der engineerING card vom VDI.

Beantragt ein Ingenieur die engineerING card, werden seine Angaben zunächst von einer Registerkommission überprüft. Die Kommission setzt sich aus Experten aus den Bereichen Hochschule, Wirtschaft und Ingenieurverbände zusammen. Sie prüft die Zeugnisse und Weiterbildungsnachweise auf Basis der international gültigen Vorgaben der FEANI und entscheidet letztlich, ob einem Bewerber die Karte ausgestellt wird oder nicht.

Was sagen die Kritiker der engineerING card?

Die engineerING card wurde in den vergangenen Monaten und Jahren häufig kritisiert. Bereits 2010 veröffentlichte die IG Metall ein Positionspapier in dem sie den Berufsausweis für Ingenieure kritisiert. "Die IG Metall sieht durch den Erwerb der Karte keinen Nutzen für Absolvent/innen und Beschäftigte. Die Kosten stehen dazu in keinem Verhältnis: Mitglieder des VDI können das Dokument gegen eine beträchtliche Gebühr von 95,- € erwerben." Für Nicht-Mitglieder kostet die Karte derzeit 120,- €. Sie ist zehn Jahre gültig. Auch der Aspekt des Datenschutzes wird in dem Positionspapier thematisiert. "Die datenschutzrechtliche Aspekte sind völlig unklar. Geplant ist eine zentrale Ablage sehr sensibler Informationen."

Der VDI sieht hingegen einen großen Nutzen für die Besitzer des Ausweises. So hat die EU bereits 2005 eine Mobilitätsrichtlinie 2005/36/EG verabschiedet, die die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen vereinfachen soll, um Hindernisse beim Arbeitsplatzwechsel zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten zu beseitigen. "Die engineerING card ist somit eine Dienstleistung für mobilitätswillige Ingenieure, die sich mit dieser Karte umständliche Anerkennungsverfahren ersparen wollen. Sie kann von allen Personen beantragt werden, die über den Abschluss eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums verfügen", so Lars Funk aus dem Bereich Beruf und Gesellschaft des VDI.

Konkrete Erfahrungsberichte von der Arbeitnehmer-Seite - also von der Personengruppe um die es eigentlich geht: die Ingenieure - sind aktuell noch recht selten. Sollten Sie als Ingenieur bereits Erfahrungen mit der engineerING card gemacht haben, dann teilen Sie uns diese doch in einer E-Mail mit. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Quellen:
  • Pressemeldung des VDI vom 26.11.2013 - http://www.vdi.de/karriere/artikel/engineering-card-sorgt-fuer-mehr-transparenz-1/

  • Positionspapier der IG Metall - http://www.engineering-igmetall.de/engineeringcard

Autor: Max Hülsebusch


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