16.10.2015

Gastbeitrag: Hobbys im Lebenslauf

Wie sinnvoll ist eigentlich die Aufzählung der eigenen Hobbys im Lebenslauf? Immer wieder fragen sich Bewerber, ob der freiwillige Einblick in die eigene Privatsphäre eher schadet oder nützt? Welchen Stellenwert haben also Aussagen wie Joggen, Lesen, Kassenwart im Fußballverein, Bauchtanzen, Reisen in ferne Länder, Bloggen, Münzen sammeln oder Meerschweinchen züchten?

Medium abflug2 Hobbys im Lebenslauf (iStock/Andrew Rich)

Blick durchs Schlüsselloch erlauben

Natürlich. Ein Personalberater interessiert sich in erster Line für berufsbezogene Fakten, wenn er eine Bewerbung beurteilen möchte. Daran ist nichts zu rütteln. Eine qualifizierte Ausbildung und ein makelloser Werdegang des Bewerbers sind seit je her die entscheidenden Kriterien, um einen Posten zu besetzen. Aber neben den harten Erfolgstatsachen versuchen Personalberater auch zwischen den Zeilen zu lesen, um sich ein persönliches Bild vom Menschen hinter dem Bewerbungsfoto zu machen. Denn die Softskills und die individuellen Eigenschaften eines Bewerbers sind für die künftige Zusammenarbeit mit Kunden und Kollegen ein wichtiges Kriterium. Im Idealfall ergibt sich also beim Lesen der Bewerbung ein Persönlichkeitsbild, das den Bewerber auszeichnet und ihn aus der Masse der Mitbewerber hervorhebt.


Erfolg als Mensch

Auch wenn manche Personalverantwortlichen behaupten, dass die Aufzählung von Hobbys im Lebenslauf völlig unerheblich für eine Jobbesetzung ist – ganz so banal ist die Sache nicht. Denn je besser und klarer das Bild ist, das sich aus den wenigen Seiten einer Bewerbung  ergibt, desto höher sind die Erfolgschancen.  Zu wissen, womit ein Mensch seine freie Zeit verbringt, hat durchaus einen gewissen Informationsgehalt und lässt für den Entscheider wertvolle Rückschlüsse zu. Deshalb ist es grundsätzlich gut, wenn dem Leser auch ein Blick auf private Facetten ermöglicht wird.


Durch die Brille des Betrachters

Wie und in welcher Form die eigenen Hobbys im Lebenslauf präsentiert werden, muss allerdings gut  überlegt werden, denn nicht alles Persönliche sollte auf dem Präsentierteller landen. Hier muss jeder für sich sehr gut abwägen,  welche privaten Infos Sinn machen und welche nicht. Nicht alle Freizeitaktivitäten werfen aus Arbeitgebersicht ein positives Licht auf den Bewerber. Die Entscheidung fällt nicht leicht, vor allem, weil nicht abzusehen ist, mit wem man es zu tun hat und wie der Leser so tickt.


Faustregeln 

Aber Grundsätzliches lässt sich über die Hobbys im Lebenslauf schon sagen. Wer sich gedanklich mit dem Thema auseinander setzt, kann für sich eindeutig Pluspunkte setzen, vor allem in den Bereichen Teamfähigkeit, soziales Engagement und körperliche Fitness.


Alltägliches Einerlei

Wie viel Sinn es macht, belanglose Hobbys, wie Lesen, Bloggen, Wandern, Schwimmen oder Musik hören aufzuzählen,  sei dahingestellt. Der Informationsgehalt  dieser Freizeitbeschäftigungen nimmt, wenn man es genau nimmt, Kurs auf in Richtung „Langweiler“. Noch schlimmer wird’s bei Aufzählungen wie Fernsehen, Computerspielen oder Freunde treffen. Mit solchen Statements verpasst sich der Bewerber ein regelrechtes Negativimage als Couchpotato. Und das ist schließlich nicht gewollt. 

Stärken zeigen

Unterm Strich kommt es  jedoch immer auf den Einzelfall an. Ein Techniker, der als Hobby einen Modellflugverein leitet, kann durchaus einen Vorteil für sich verbuchen. Denn Hobbys, die sinnvoll zum Beruf passen, sollten unbedingt aufgeführt werden. Ein Key Account Manager, der in seiner Freizeit einen Chor leitet, zeigt, dass er über Kommunikationsstärke und Führungsqualitäten verfügt.

In der Erfolgsspur

Gut macht sich, wer in irgendeiner Art und Weise Erfolge vorweisen kann. Wer auf anderen Gebieten schon erfolgreich war, dem traut man auch im Job weitere Erfolge zu. Da steht ein Landesmeistertitel in Leichtathletik schon für Trainingsfleiß, Durchhaltevermögen und Nervenstärke – alles positive Eigenschaften, die auch beruflich von Nutzen sind. Solche Erfolge gehören in einen Lebenslauf.

Engagement ist Trumpf

Ein guter Nachweis für soziale Kompetenz ist die Ausübung eines Ehrenamts. Tue Gutes und rede in Deiner Bewerbung darüber! Ein Ingenieur, der nach Feierabend als Helfer beim THW mitarbeitet, verfügt zweifelsohne über Verantwortungsbewusstsein und sollte das unbedingt in der Rubrik Hobbys am Ende des Lebenslaufs kommunizieren. 

Vorsicht beim „Wow-Faktor“

Besonders viel Aufmerksamkeit erregen spektakuläre Hobbys wie Freeclimbing, Fallschirmspringen oder Dirt-Bike fahren. 

Aber Achtung: Bei solchen exotischen Hobbys scheiden sich schnell die Geister. In wie weit extreme Hobbys von zukünftigen Arbeitgebern gerne gesehen werden, liegt im jeweiligen Auge des Betrachters. Zwar zeichnen den Bewerber unbestritten eine hohe Risikobereitschaft und Mut aus. Aber Hobbys, die gefährlich sind und gehäuft zu Verletzungen führen können, werden nicht unbedingt gerne gesehen. Auch zu zeitintensive Hobbys könnten als zu große Ablenkung vom Job empfunden werden. Übermüdete oder körperlich angeschlagene Arbeitskräfte gelten auf Dauer nicht als Traumbesetzung.

Fachsimpeln erwünscht

Wer sich entschließt, seine Hobbys im Lebenslauf kund zu tun, muss sich spätestens im Vorstellungsgespräch auf konkrete Rückfragen einstellen. Häufig wird das Thema „Hobby“ als Einstieg ins Gespräch genutzt und dient als Eisbrecher. Spätestens jetzt sollte man beim eigenen Thema gut mithalten können und nicht ins Stottern geraten. Denn Flunkern beim Hobby ist keine Option.

Als Fauxpas gilt, wenn ein Jobaspirant über sein Hobby leidenschaftlicher zu reden vermag als über den in Aussicht gestellten Arbeitsplatz. Hier muss thematisch immer die richtige Priorität gesetzt werden.

Fazit: 

Es ist sinnvoll, die persönlichen Hobbys im Lebenslauf anzugeben, denn sie ermöglichen es dem künftigen Arbeitgeber ein kompletteres Persönlichkeitsbild des Bewerbers zu erhalten.  Wichtig ist aber in dem Zusammenhang, dass genau überlegt wird, was und wie viel man von sich preisgibt und zu welchen Rückschlüssen es beim Leser führen kann. Wer im Zweifel ist, ob die Angabe seiner Hobbys nützt, sollte sie lieber weglassen.



 Gastbeitrag: Sabine Ratermann | Geschäftsführerin | people@venture GmbH


www.peopleatventure.de

Autor: Sabine Ratermann


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