12.03.2013

Interview: Braucht Deutschland mehr Elektronikfachkräfte aus dem Ausland?

Medium thelen 01 Dr. Peter J. Thelen ist Geschäftsführer der ZVEI Landesstelle Bayern. (Bild: ZVEI)
Braucht Deutschland in Zukunft mehr Elektronikfachkräfte aus dem Ausland? Oder kann der Bedarf der Unternehmen eventuell durch das inländische Potential gedeckt werden? In Verbindung mit dem diesjährigen Gehaltsreport interviewten wir Dr. Peter J. Thelen, Geschäftsführer der ZVEI Landesstelle Bayern, und stellten ihm genau diese Fragen.

Herr Dr. Thelen, welche Gehaltsentwicklung hält der ZVEI in der Elektronikbranche langfristig für realistisch? 

Die Gehälter in der Elektronikbranche werden sich langfristig positiv entwickeln, da der Fachkräftebedarf sowohl von den technischen Innovationen als auch von der demografischen Entwicklung her zunehmen wird.

Spüren die ZVEI-Mitgliedsunternehmen den umstrittenen Fachkräftemangel? 

Den Fachkräftemangel spüren wir in unserer Branche sehr deutlich und er wird nach den letzten Prognosen auch noch weiter zunehmen. Dies zeigt die Studie der Prognos AG, im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Arbeitslandschaft 2035. Deshalb ist es nach wie vor notwendig, die Zuwanderung gezielt zu gestalten und im Ausland technische Fachkräfte zu akquirieren. Weitere Handlungsfelder sind Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen schneller zu vermitteln und besser zu qualifizieren. Die Erwerbsbeteiligung insbesondere von Frauen zu erhöhen sowie die durchschnittliche Wochen- und Lebensarbeitszeit auszuweiten. Zusätzlich wird eine breit angelegte Bildungsoffensive notwendig sein.

Wie steht denn der ZVEI zur verstärkten Akquirierung von technischen Fachkräften aus dem Ausland?

Die Erschließung des inländischen Potenzials genügt nicht, um den Fachkräftebedarf der Zukunft zu decken. Nötig ist eine an den Bedürfnissen des heimischen Arbeitsmarktes orientierte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften. Das ist ein Detailergebnis der Studie „Arbeitslandschaft 2035“ der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Das Gutachten geht davon aus, dass ohne konkrete Gegenmaßnahmen in Deutschland bis 2020 rund 1,7 Millionen Fachkräfte fehlen werden. In Bayern wird es 2020 rund 230.000 Fachkräfte zu wenig geben. Rund 200.000 Fachkräfte pro Jahr müssten nach Deutschland zuwandern, damit der Fachkräftemangel nicht noch größer wird. 40.000 Fachkräfte müssten davon nach Bayern kommen.

Noch mehr sind nötig, wenn wir die Lücke verkleinern wollen. Im Gegensatz zu den anderen Bundesländern hat Bayern allerdings den Vorteil, dass es von einer hohen Binnenwanderung profitiert. Zwischen 1991 und 2010 sind per Saldo 679.000 Personen aus anderen Bundesländern nach Bayern zugezogen. Sollte dieser Trend anhalten, kann ein Teil des Fachkräftebedarfs durch Binnenwanderung gedeckt werden. Dies ersetzt aber nicht die qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland und vergrößert die Lücke in anderen Bundesländern.

Der Fokus muss daher darauf gelegt werden, eine echte Willkommenskultur zu schaffen. Wir müssen gezielt um ausländische Studierende werben. Ausländische Abschlüsse sollten zügig anerkannt und die Einwanderungsverfahren weiter vereinfacht werden.

Ist 2013 aus der Sicht des ZVEI ein gutes Jahr für einen Arbeitgeberwechsel? 

Ein Arbeitgeberwechsel ist nicht unbedingt empfehlenswert, da bei einem sich dynamisch entwickelnden Unternehmen die Entwicklungschancen intern besser sein können als durch Jobhopping.

Herr Dr. Thelen, wir danken Ihnen für das Gespräch.



Das Interview führte Maximilian Hülsebusch.


Autor: Max Hülsebusch


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