22.08.2016

Lohndiskriminierung – auch bei Ingenieurinnen?

In „typischen Frauenberufen“ verdienen Frauen weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Gibt es diesen "Gender Pay Gap" auch bei Elektroingenieurinnen?

Medium renate4 Renate Schuh-Eder, Geschäftsführerin Schuh-Eder Consulting

Das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat in Kooperation mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in der Hans-Böckler-Stiftung ein Forschungsprojekt gestartet, das die Ursachen des „Gender Pay Gaps“ untersuchen soll. Also die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede in verschiedenen Branchen.

"Viele Untersuchungen zu den Verdienstunterschieden zwischen den Geschlechtern suggerieren, dass allenfalls ein kleiner Teil auf Lohndiskriminierung zurückgeht“ sagt die IAQ-Direktorin Prof. Dr. Ute Klammer. Der größere Teil soll sich durch die unterschiedlichen Positionen von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt erklären lassen.

Doch diese Einschätzung greift offenbar zu kurz. „Unsere Analysen zeigen, dass sich auch hier ungerechtfertigte Benachteiligungen verbergen können“, so Klammer. Das geplante Gesetzesvorhaben zur Lohngerechtigkeit für Frauen und Männer sieht sie daher positiv.  

Viele Anforderungen und Belastungen, etwa in weiblich dominierten Betreuungsberufen im Gesundheitswesen, lassen sich nach Ansicht von Prof. Klammer sehr wohl mit männlich bestimmten technischen Berufen vergleichen. Dennoch liegen die aktuellen Verdienstunterschiede zwischen diesen Berufsgruppen bei 36 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei medizinischen Fachberufen und IT-Entwicklern: Trotz vergleichbarer Anforderungen und Belastungen verdienen die Frauen in den größtenteils von ihnen ausgeübten medizinischen Berufen 43 Prozent weniger.

Wie sieht es im hochqualifizierten Bereich des Ingenieurwesens aus? Gibt es Lohndiskriminierung auch hier?

Renate Schuh-Eder gibt Entwarnung. „Wir haben es überwiegend mit Berufsbildern im Spezialistenbereich zu tun. Und hier sehe ich gar keine Unterschiede“.

Die Personalberaterin blickt auf über 25 Jahre Erfahrung in der männlich geprägten Elektronikindustrie zurück. Ab der höheren Managementebene, weiß sie, sieht es anders aus: „Hier finde ich es jedes Mal wieder auffällig, dass  Frauen im Schnitt locker 20 Prozent unter dem Gehalt von männlichen Kollegen liegen“.

Aber es gibt einen entscheidenden Vorteil für die Frauen: „Fast jedes Unternehmen in der Elektronik wünscht sich einen höheren Frauenanteil, um den Vorteil "gemischter Teams" zu haben“.

Hier könne man als Frau und Ingenieurin einen entscheidenden Vorteil bei der Vergabe von Positionen haben, so Schuh-Eder.  


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