08.06.2016

Richtig kündigen – was die Wissenschaft sagt

Chef-sein bringt manchmal auch unangenehme Aufgaben mit sich. Etwa Kündigungsgespräche. Wissenschaftler der Saar-Uni haben nun herausgefunden, worauf es bei solchen Gesprächen vor allem ankommt.

Medium panthermedia fische Wie teilt man Mitarbeitern mit, dass man sich von Ihnen trennen will? Die Uni Saar hat das experimentell untersucht.

Ist der Chef fair, ist der Mitarbeiter eher bereit, die Kündigung zu akzeptieren. Das klingt selbstverständlich, ist es aber laut Saar-Uni mit Blick auf die zahlreichen Gerichtsprozesse nicht: Zirka die Hälfte aller rund 400.000 Prozesse, die im Jahr an deutschen Arbeitsgerichten verhandelt werden, sind laut Statistischem Bundesamt kündigungsbedingt. Dabei gehört auch der Umgang mit schlechten Botschaften zur Unternehmenskultur dazu. 

„Wie im richtigen Leben“ macht auch beim Kündigungsgespräch der Ton die Musik: Schlägt der Chef einen scharfen Ton an, reagiert der Mitarbeiter deutlich häufiger konfrontativ auf die schlechte Nachricht als wenn der Chef sich Zeit nimmt und dem Mitarbeiter die Situation und die Hintergründe erklärt. 

Dabei können Streitigkeiten und emotionaler Stress reduziert werden, wenn das Kündigungsgespräch bestimmten Regeln folgt. Das haben die Saarbrücker Psychologen um Professor Cornelius König vom Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie experimentell getestet und herausgefunden,  dass der Verlauf des Gespräches mit geschulten Vorgesetzten und die Entscheidung eher akzeptiert wurden als in der Kontrollgruppe, in der lediglich formal korrekt die Kündigung ausgesprochen wurde. Dabei macht es laut Saar-Uni keinen Unterschied, ob die Vorgesetzten formal geschult waren. Hier waren die Mitarbeiter ebenso unzufrieden, wie die, deren Chefs gar nicht geschult wurden. 

„Der Faktor Fairness bedeutet beispielsweise den respektvollen Umgang mit dem Mitarbeiter und Transparenz“, berichtet Studienleiter Professor Cornelius König. Konkret: Die Vorgesetzten erklärten den entlassenen Mitarbeitern beispielsweise, dass nicht ihre Leistung ausschlaggebend für die Kündigung war, sondern der Betrieb unter wirtschaftlichem Druck steht und sich deshalb leider von einigen Leuten trennen muss. 

In der Unternehmenspraxis sehen die Psychologen der Saar-Uni noch Potenzial, um die Erkenntnisse sinnvoll anzuwenden. Unangenehme Gespräche, insbesondere Kündigungsgespräche, sind in den Führungsetagen der Unternehmen oft noch Tabuthemen. Wissenschaftlich fundierte Gesprächsleitfäden gibt es bisher nicht. Ihre Ergebnisse haben die Forscher vom Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie soeben im Fachmagazin „Journal of Applied Psychology“ veröffentlicht.



« Zur Artikel Übersicht

Newsletteranmeldung

Durch die Anmeldung erhalten Sie den monatlichen Semica Newsletter.

Optional: Wöchentlicher Job-Newsletter mit neuen Stellenanzeigen

Wenn Sie angeben, für welche Bereiche oder Branchen Sie sich interessieren, dann bekommen Sie automatisch einen wöchentlichen, individuellen Job-Newsletter mit neuen passenden Stellen:

Funktionsbereich












Branche