30.03.2017

Studium nach der Ausbildung – Auf was ist zu achten?

Sie haben bereits schon eine Ausbildung und/oder einen Job in der Elektronkibranche in der Tasche, wollen aber beruflich und fachlich weiterkommen. Und nun? Es gibt drei Optionen. Entweder Sie entscheiden sich für eine Meister- oder Technikerausbildung. Oder, sie schauen sich um, welche spezifischen Weiterbildungsmöglichkeiten in Ihrer Nähe oder weiter weg angeboten werden. Es bietet sich aber auch eine dritte Option an: ein Studium im Bereich der Elektronik an einer Hochschule oder einer Universität.

Medium bild 1 An fast 150 Instituten kann man deutschlandweit Elektrotechnik studieren. Bildquelle: fotolia.com © maho (CC0 1.0).

Wollen Sie studieren, gibt es mittlerweile eine Fülle von Möglichkeiten. Grundsätzlich gilt: ein Studium ist mittlerweile auch ohne Abitur oder Fachabitur möglich. 

Eine unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung erhalten Sie in den meisten Fällen, wenn Sie eine berufliche Ausbildung mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen und danach eine mindestens zweijährige oder dreijährige berufliche oder vergleichbare Tätigkeit ausgeübt haben. 

Aber: es kommt auch darauf an, in welchem Bundesland, an welcher Hochschule, und für welches konkrete Fach man sich im Bereich der Elektronik entscheidet. Die Zugangsmöglichkeiten über die berufliche Qualifikation sind da unterschiedlich.  Damit variieren auch die Kriterien der Bewerbungskriterien, -phasen und –zulassungen. 

Dennoch, ein paar Basics sollte man bei einer Hochschulbewerbung auf dem Schirm haben. Wie bei einer üblichen Bewerbung zählt auch hier: Rechtzeitiges informieren und recherchieren ist unabkömmlich. Die Optionenvielfalt ist da sehr komplex, aber machbar – Basic-Wissen ist da äußerst wichtig, bevor die Bewerbung weggeschickt wird. Warum ist das so? Das hat politische Gründe. 

Studieren ohne Abi – Basicwissen

Grundsätzlich: das Thema Studium ohne Abitur ist eine relativ komplizierte Sache. Im Bildungsbereich wird es leider oft widersprüchlich reflektiert. Der Grund: das liegt daran, dass der Hochschulzugang ohne Abitur relativ neu ist.  

Die Möglichkeit wurde 2009 durch einen Beschluss der Kultusminister geschaffen, der den Weg zur Universität oder Fachhochschule für Nicht-Abiturienten erleichtern sollte. Mittlerweile liegen die unterschiedlichsten Bildungsangebote dazu vor. Die 16 Kultusminister der deutschen Bundesländer waren sich konkret in der Sache einig, aber im Speziellen sieht es anders aus. Der Grund: Bildungspolitik ist Ländersache. 

Die Folge: die Vielfalt der konkreten Ausgestaltung und die Vielfalt an Varianten der Zugangsvoraussetzungen und Bewerbungsmodi sorgen für Verwirrung, da sie von Bundesland zu Bundesland verschieden sind. Das betrifft nicht nur die Zugangsregelungen, sondern auch die Studien- und Serviceangebote der Hochschulen. Folglich auch die Entwicklung der StudienanfängerInnen-, Studierenden- und AbsolventInnenzahlen. 

Logischerweise treffen diese Umstände auch auf die Ingenieurswissenschaften zu. Also auch auf das Bildungsangebot der Studienfächer innerhalb der Elektronik und Elektrotechnik. 

Die Sache mit den Zugangsbedingungen

Da sich die Zulassungsbedingen nun in den Details je nach Bundesland und Hochschule im Detail unterscheiden, ist erst einmal akribische Recherche angesagt. Wo finden Sie was? Zwei Möglichkeiten: entweder Sie wälzen die Hochschulgesetze und Rechtsverordnungen der Bundesländer durch oder Sie erkundigen sich bei der jeweiligen Hochschule. 

So viel steht jedoch fest: für beruflich Qualifizierte ist der Hochschulzugang allgemeingültig. Oft sind bestimmte Studiengänge an eine vorherige Ausbildung geknüpft. 

Grundsätzlich differenziert man dabei zwischen zwei Gruppen von Bewerbern für ein Studium ohne Abitur: Meister oder andere Aufstiegsfortbildungen und beruflich Qualifizierte. 


Seit 2009 können beruflich Qualifizierte an einer Hochschule studieren .Bildquelle: fotolia.com ©  eyetronic (CC0 1.0).

Meistertitel und Fortbildungen

Wenn Sie einen Meistertitel oder einen sonstigen hochqualifizierten Fortbildungsabschluss durch Weiterbildung haben ist es bei der Studienplatzwahl und bei der Zulassung einfacher. Diese Qualifikationen sind der Hochschulreife in allen Bundesländern gleichgesetzt. 

Bei den Fortbildungsabschlüssen handelt es sich in der Regel um eine staatliche oder eine entsprechende IHK-Prüfung in der Nähe Ihres Wohnortes. 

Das heißt: mit einer bestandenen Meisterprüfung oder einem vergleichbaren Abschluss können Sie ohne besondere Prüfungen oder Zulassungsverfahren ein Studium beginnen.

Trotzdem: auch hier sind unterschiedliche Detailregelungen in den Bundesländern zu beachten. Außerdem: die entsprechenden Nachweise überprüft die jeweilige fachspezifische Zulassungsstelle der Hochschule. In einigen Bundesländern kann es dazu kommen, dass vor der Einschreibung ein Beratungs- beziehungsweise ein Eignungsgespräch vorausgesetzt wird. 

Studium für beruflich Qualifizierte 

Zu den beruflich Qualifizierten gehören Bewerber mit einer Ausbildung und Berufserfahrung. Je nach Bundesland, nach Hochschule und Fach variieren hier die geforderten Ausbildungsjahre und Berufsjahre. Das Minimum bei einer Ausbildung beträgt in der Regel zwei Jahre, um sich an einer Hochschule zu bewerben. Die Berufsjahre variieren zwischen zwei und drei Jahren. 

Aber: es kann noch weitere Hürden geben. In einigen Ländern, bei einigen Hochschulen und bei spezifischen Fächern gibt es einen Numerus Clausus – hier entscheidet die fachbezogene Ausbildungsnote. Gegebenenfalls, wenn Sie diesen nicht erfüllen, kann es zu Wartesemestern kommen oder ein Studium ist nicht möglich. 

Der Grund: Stehen weniger Studienplätze zur Verfügung, als von Studieninteressierten nachgefragt werden, muss zunächst ein Zulassungsverfahren durchlaufen werden. Dabei unterscheidet man zwischen örtlich zulassungsbeschränkten oder bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern. Studiengänge der Elektrotechnik sind nicht bundesweit beschränkt.

Was Ihnen auch passieren kann: Sie müssen eine Zulassungsprüfung oder Eignungsprüfung oder beides ablegen – entweder schriftlich oder mündlich oder beides. Damit wird seitens des jeweiligen Fachs sichergestellt, ob Sie im Allgemeinen für ein Studium geeignet sind. 

In diesen Tests müssen Sie neben Ihrem Allgemeinwissen Ihre fachspezifischen Kenntnisse und methodisches Vorwissen unter Beweis stellen. Vor der Prüfung bieten einige Dekane oder Fakultäten der Hochschulen zuerst Beratungsgespräche an, in denen Sie persönlich wissen wollen, ob Sie geeignet sind. 

Alle Hochschulen informieren entweder online oder an Infotagen über die Inhalte und Themen der Prüfung. Auch hier gilt wieder: rechtzeitige und akribische Recherche und Vorbereitung ist ein Muss. Hier ist es ratsam Kontakt mit der jeweiligen Fachschaft des Studienfachs aufzunehmen. Parallel dazu – ein persönliches Gespräch mit der Studienberatung des Fachs hilft ebenfalls. 

Wenn Sie diesen Test erfolgreich bestanden haben, sind Sie berechtigt, das Studium an der prüfenden Hochschule aufzunehmen. Aber: nur an dieser Hochschule, jedoch nicht an einer anderen Hochschule. 

Ebenso relevant: um Missverständnisse zu vermeiden – wenn Sie die Zugangsprüfung erfolgreich bestanden haben, ersetzt das darüber hinaus keine allgemeingültigen Voraussetzungen wie einen Numerus Clausus oder konkret fachspezifischen Eignungstest. 

Ganz wichtig: die Anmeldefristen für die Prüfungen beachten. Diese liegen meist vor dem Termin für reguläre Hochschulbewerbung.  

Probestudium & Begabtenprüfung

Was auch von Ihnen erwartet werden kann, ist ein Probestudium. Einige Hochschulen in Deutschland setzen ein solches meist für zulassungsfreie Studiengänge voraus. Trifft der Fall ein, müssen Sie je nach Hochschule, Bundesland und Fach zwischen zwei bis vier Semester auf Probe studieren. Die Hürde: Sie müssen in dieser Zeit eine Mindestanzahl von Credit Points erreichen. Haben Sie diese erreicht, dürfen Sie weiter studieren. 

Eine weitere Möglichkeit, um ohne Abitur zu studieren, ist die Begabtenprüfung. Deren Prüfungselemente orientieren sich dabei an den Anforderungen der allgemeinen Hochschulreife in den jeweiligen Bundesländern. 

Aber nicht alle Bundesländer machen da mit. Der Grund: 1982 legten die Kultusministerien der Länder fest, dass jedes Bundesland eine Begabtenprüfung anbieten darf, aber nicht dazu verpflichtet ist. Aktuell nutzen acht Bundesländer die Möglichkeit des Begabtenabiturs. Es sind Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Auch hier gilt: die länderspezifischen Regelungen sind zu beachten. 

Die allgemeine Vorrausetzungen:  Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein nicht weniger als fünf Jahre Berufserfahrung haben. 

Vorteil: das Bestehen dieser Prüfung ermöglicht den Hochschulzugang bundesweit, ersetzt aber nicht eine mögliche fachspezifische Zulassungsprüfung an der jeweiligen Hochschule. 

Bewerbung & Fristen 

An fast 150 Instituten kann man deutschlandweit Elektrotechnik studieren. Alle Studiengänge sowie Hochschulen – inklusive Universitäten und  und Fachhochschulen findest Sie in dieser Datenbank

Da die Voraussetzungen eines Studiums über den Dritten Bildungsweg - wie gesehen – variieren, läuft man Gefahr, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Das trifft auch im besonderen Maße auf die Bachelor- und Masterstudiengänge im Feld der Elektronik zu. 

Deshalb, nachdem Sie nun Ihre Studienwahl nach reiflicher Recherche über die Studieninhalte des jeweiligen Faches mit all seinen Facetten und Spezialisierungsmöglichkeiten getroffen haben getroffen haben, und auch die genannten Voraussetzungen erfüllen, geht es an die Bewerbung um  einen Studienplatz.  

Und hier ist wie bei der Variation der Zulassungsvoraussetzungen: je nach Hochschule gibt es verschiedene Bewerbungs-, Anmelde- und Einschreibungsmodi. 

Das trifft auch auf die Fristen und Termine zu. Sie sollten sich auf jeden Fall rechtzeitig über die für eine Bewerbung, Anmeldung und Einschreibung oder Prüfungen geltenden Fristen und Termine bei der jeweiligen Hochschule erkundigen und diese Fristen auch unbedingt einhalten, da Sie sonst nicht zugelassen werden. 

Bezüglich der variantenreichen Bewerbungsunterlagen und/ oder Einschreibungsmodalitäten – alle Hochschulen bieten mittlerweile ein Online-Formular oder eine Bewerbungscheckliste, in der alle beizufügenden Unterlagen aufgelistet sind, an. Das Onlineformular muss dabei in den meisten Fällen ausgefüllt, ausgedruckt und unterschrieben in der Bewerbungsfrist bei der jeweiligen Hochschule in Papierform eingehen. 

Ganz wichtig sind die Belege über Ihre Qualifikation. Die Anforderungen variieren hier. Dennoch, zu den Standards der Zulassung ohne Abitur gehören hier: 

  • amtlich beglaubigte Kopien der Zeugnisse 

  • der konkrete Nachweis über die Berufsausbildung (IHK-Zeugnisse, Bestätigung des Arbeitsgebers oder das letzte Berufsschulzeugnis) 

  • Nachweis der mindestens zweijährigen Berufsausbildung

  • Nachweis einer anschließenden zwei- oder dreijährigen Berufserfahrung (Arbeitszeugnis – inklusive der Bestätigung des Arbeitgebers über Zeitraum und Tätigkeit)

  • ggf. amtlich beglaubigte Kopie des Hochschulprüfungszeugnisses, sofern die Hochschulzugangsprüfung bereits abgelegt wurde 

  • ggf. ein Motivationsschreiben

  • ein tabellarischer Lebenslauf 

  • ggf. Nachweise über das Beratungsgespräch mit einem Hochschulangehörigen

  • Bei der Bewerbung mit Meisterabschluss und gleichgestellten Abschlüssen: eine amtlich beglaubigte Kopie Abschlusszeugnisses. 

  • ggf. Nachweis über ausreichende Deutschkenntnisse für den Hochschulzugang** in Kopie und falls zutreffend

  • eine Kopie des Personalausweises 




Autor: Michael van Holzen

Michael von Holzen hat Germanistik und Soziologie (Magister) studiert und war anschließend einige Jahre in der Studienberatung tätig. Heute arbeitet er als freier Redakteur. 


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