26.01.2011

Thema "Expertenkarriere" – Ein Plädoyer für mehr technische Führungskräfte

Medium puzzle karriere gross (panthermedia.net / Andres Rodriguez)

Die tägliche Arbeit mit modernen Technologien ist für viele Elektroingenieure mehr als nur ein Beruf. Die Technik ist ihre Leidenschaft, ihre Berufung. Deshalb gelangen viele Ingenieure im Laufe ihrer Karriere früher oder später an einen Punkt, der für sie eine schwierige Entscheidung beinhalten kann. Denn die nächste Sprosse auf der Karriereleiter nennt sich „Management“ und bedeutet für die Arbeitnehmer meist einen Schritt weg von der vertrauten Technik. Stattdessen stehen neue Aufgabenbereiche wie Personalverantwortung und die Entwicklung von Businessstrategien auf dem Plan. Nicht jeder Ingenieur ist davon begeistert; aber hat er denn eine Wahl, wenn er seine Karriere vorantreiben möchte?


In Verbindung mit der 2010 erschienen Ingenieurstudie des Verbands der Elektrotechnik (VDE) taucht in der Fachpresse immer häufiger der Begriff „Expertenkarriere“ auf. Meint dieser Begriff vielleicht die geeignete Alternative zu einer klassischen Managementposition?

Was verbirgt sich hinter dem Konzept der Expertenkarriere?


In erster Linie soll die Expertenkarriere hochqualifizierten Ingenieuren die Möglichkeit bieten, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln, ein höheres Einkommen zu erzielen und langfristig in eine Führungsrolle hineinzuwachsen. Diese Entwicklung soll jedoch nicht mit einer Abwendung von der bisherigen technischen Tätigkeit verbunden sein. Deshalb gehört der Bereich Personalverantwortung im klassischen Sinne nicht zu den Aufgabenfeldern der Expertenkarriere. Selbstverständlich muss jeder Anwärter auf diesen alternativen Karrierezweig  trotz allem die entsprechenden, nicht-technischen Qualifikationen, wie z.B. Geschäftsverständnis, Kommunikationsfähigkeit und Internationalität mitbringen. Dies ist jedoch auf eine allgemeine Veränderung zurückzuführen, die das Anforderungsprofil der technisch ausgebildeten Arbeitnehmer betrifft. Soziale und wirtschaftliche Kompetenzen gehören inzwischen einfach in jedem Unternehmensbereich zur Grundvoraussetzung.

Was bedeutet die Expertenkarriere für Nachwuchs-Ingenieure?


Die Möglichkeit zu einer Expertenkarriere soll die Absolventen technischer Studiengänge  motivieren, eine Karriere als Ingenieur zu beginnen, mit der Option eine technische Führungsposition zu übernehmen. Immer mehr technische Talente wandern in betriebswirtschaftliche oder juristische Studiengänge ab, da ein Großteil der Führungspositionen in den Unternehmen mit ehemaligen BWL- oder Jura-Studenten besetzt sind; diese Beobachtung wird durch die aktuelle Ingenieurstudie des VDE gestützt. Angesichts dieser Entwicklung sind die Professoren der Elektrotechnik und Informationstechnik sehr besorgt. Ingenieure die erfolgreich eine Expertenkarriere eingeschlagen haben, sollen für die Studenten idealerweise eine Art Rollenvorbild sein. Hierzu müssten Sie von den entsprechenden Elektronikunternehmen jedoch deutlich stärker in das Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Hier sehen die Ingenieurverbände noch einen deutlichen Verbesserungsbedarf.

Welchen Einfluss haben Expertenkarrieren auf die Unternehmensstruktur?


Expertenkarrieren laufen in der Regel gegen den Strich der unternehmensinternen Hierarchien und werden insbesondere von den Personalverantwortlichen noch mit Skepsis betrachtet.   Das größte Hindernis ist dabei allerdings nicht die Erneuerung der bestehenden Strukturen und Abläufe im Unternehmen, sondern das festgefahrene Hierarchiedenken in den Köpfen der Mitarbeiter. Die Expertenkarriere würde es einem technischen Experten theoretisch erlauben, ein höheres Jahreseinkommen zu erzielen, als der eigene Vorgesetzte, der die Personalverantwortung trägt. Das sorgt für Verwirrung und für eine neue Form von Konkurrenzdruck. Um diesen Karrierepfad auch in der Praxis vernünftig etablieren zu können, wäre es somit notwendig, dass Vorgesetzte, die die Karriere Ihrer Experten fördern, an deren Erfolg beteiligt werden. So entsteht ein gemeinsames Hinarbeiten auf persönliche Karriereziele, die für alle Beteiligten letztlich nur Vorteile bringen würden.


Einige Unternehmen haben mit dem Aufbau dieses neuen Karrierezweigs bereits begonnen; doch bis zu einer flächendeckenden Umsetzung dieses kreativen Konzepts im Markt, werden sicherlich noch einige Jahre ins Land ziehen. Um den Rückgang der Absolventenzahlen an den Universitäten rechtzeitig abfedern zu können, müssten die Unternehmen jedoch deutlich schneller handeln.  

 

Autor des Kommentars: Maximilian Hülsebusch semica - The electronic job exchange

« Zur Artikel Übersicht

Newsletteranmeldung

Durch die Anmeldung erhalten Sie den monatlichen Semica Newsletter.

Optional: Wöchentlicher Job-Newsletter mit neuen Stellenanzeigen

Wenn Sie angeben, für welche Bereiche oder Branchen Sie sich interessieren, dann bekommen Sie automatisch einen wöchentlichen, individuellen Job-Newsletter mit neuen passenden Stellen:

Funktionsbereich












Branche























Stellenangebote durchsuchen ARTIKEL ÜBERSICHT