10.06.2016

Was es braucht, um Unternehmer zu werden

Selbst ein Unternehmen zu gründen ist eine Karrierealternative, die in Deutschland noch ein Schattendasein fristet. Was muss man mitbringen, um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden? Multi-Funktionär Thomas Sattelberger, Ex-DAX-Personalvorstand und Initiator von "MINT Zukunft schaffen" hat dazu den Serien-Gründer Lars Hinrichs interviewt.

Medium sattelberger hinrichs Thomas Sattelberger (l.) und Lars Hinrichs

München ist zwar nicht Deutschlands Start-up-Hauptstadt - das ist Berlin - aber rund um die beiden Münchner Universitäten hat sich ein konkurrenzfähiges Gründerbiotop entwickelt. So findet sich in Garching bei München nicht nur ein umstrittener Forschungsreaktor, sondern auch das Gründerzentrum "Gate". Hier fand am 9. Juni die Veranstaltung "Digitalisierung transformiert - Deutschlands Gründerzukunft" statt. 

"Lust auf Gründen im MINT-Bereich" wollten die Initiatoren Gesellschaft für Informatik, MINT Zukunft schaffen, Münchner Kreis und UnternehmerTUM wecken. Und baten dazu unter anderem den nimmermüden Thomas Sattelberger aufs Podium, Ex-Continental und Ex-Telekom- Personalvorstand und mit weiteren hohen Personalfunktionen bei DASA, Lufthansa und Daimler exquisiter Kenner und Kritiker der deutschen Konzernlandschaft. 

Sein Interviewpartner, der Hamburger Lars Hinrichs, hat hingegen mit Konzernstrukturen Zeit seines Lebens noch nie etwas am Hut gehabt.  2003 gründete er das Online-Netzwerk XING, das heute dem Burda-Verlag gehört. 

„Ich habe stets mehr auf die Chancen als auf die Risiken geschaut“, erzählt er den weit über hundert Zuhörern des Gründerkongresses. Sich auf die Chancen zu konzentrieren, sei eine wichtige Gründer-Fähigkeit. Und räumt gleichzeitig mit dem Vorurteil auf, als erfolgreicher Unternehmer müsse man ein multifunktionaler Tausendsassa sein. Wichtig sei, eine gewisse „Portion Wahnsinn“ und Risikofreude und einen offenen, rebellierenden Geist mitzubringen. Chancen gebe es genügend: „Immer wenn es heißt, ‚das haben wir immer schon so gemacht`, ist das ein potenzielles Geschäftsmodell!“, so Hinrichs. Er selbst habe „viele, viele“ Fehler mit Xing gemacht, kann daran aber nichts Schlechtes finden. Das Risiko des Scheiterns sei größer als die Chance auf Erfolg. „Aber man lernt so viel dabei.“

Böten denn die Hochschulen genügend Freiraum, solch ein Skillset aufzubauen, „schräg zu sein“, wie Thomas Sattelberger formuliert? Hinrichs wählt als Antwort einen Vergleich mit dem Silicon Valley: Die Lust auf Abenteuer und  Mut zum Scheitern sei dort an der Westküste stärker ausgeprägt. Die erfolgreichsten Gründer im Valley seien Techniker, während in Deutschland mehr Betriebswirte als Techniker gründen würden. 

Zumal die Lust am Risiko, das Hinfallen und wieder Aufstehen in den USA ganz anders ausgeprägt sei. „Man muss das wollen, das ‚gegen den Trend sein‘ und brennen für eine Idee, egal was die anderen sagen“, so Hinrichs. Revolution statt Evolution: „Hätten wir den Kunden gefragt, hätte er sich schnellere  und bessere Pferde gewünscht“, sei von Henry Ford über das Auto überliefert. Heißt: Sich mit Mittelmaß zufrieden zu geben, genüge nicht. Sondern die großen Probleme lösen wollen, sei gefordert. Nicht zuletzt von Wagniskapitalgebern, die in den USA ein Vielfaches von dem investieren, was in Deutschland in Start-ups fließe.    

Über sich selbst sagt Hinrichs, dass er ein „Serientäter“ sei und offen durch die Welt gehe. Über die Chancen durch Digitalisierung, dass „alles was digitalisiert werden könne, auch digitalisiert werde“, mit exponentiellem Wachstum. Und über Versuche, den Wandel aufzuhalten: sinnlos. 

Sein Rat an die Hundertausenden  von Absolventen in Maschinenbau und Technik?  „Ideen haben viele, es geht ums Machen, darum, den ersten Schritt zu gehen!“ das unterscheide den Gründer von anderen, die die Karriere in den „Hühnerfabriken der Konzerne“ (O-Ton Sattelberger) bevorzugten. Welche Rolle spielen bei all dem die Hochschulen? Dazu nimmt Sattelberger Stellung: Innovation fange mit Grenzverletzung an. Das müssten Universitäten maximal fördern.  Es sei eine fatale Entwicklung, dass es keinen digitalen Weltmarktführer in Deutschland gebe, und die Innovationskurve im Mittelstand seit 15 Jahren sinke. „Professoren müssen Finanziers der Leidenschaften Ihrer Studierenden werden!“

   





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