09.05.2016

Wie Weiterbildung bei der Karriere helfen kann

Der Anbietermarkt für Weiterbildung ist umfangreich bis unübersichtlich. Was macht Sinn, was hilft bei Arbeit und Karriere? Sollte man sich nach Neigung oder nach Kalkül fortbilden? Einer unserer Leser hat uns seine persönlichen Erfahrungen geschrieben.

Medium robot Nicht jede Fortbildung macht aus Sicht des Vorgesetzten Sinn. Dann lohnt manchmal Eigeninitiative

„Ich würde hierbei zwei Arten der Fortbildung unterscheiden. Zum einen die spezifischen Fortbildungen, die sich auf ein spezielles Thema konzentrieren und auch zeitlich sehr überschaubar sind. Und zum anderen Fortbildungen, die generelle Grundlagen vermitteln und über einen längeren Zeitraum dauern.

Zu der ersten Art zähle ich Kurse von Microconsult, Hilf, Haufe, teilweise die IHK usw. Ich habe hier über die Jahre an vielen Trainings teilgenommen: CAN, C, VHDL, prozessorspezifische Seminare, Verhandlungstrainings, Konzeptarbeiten, Führung,…

Hierzu kann ich folgende Aussage machen: Da die Seminare intensiv sind und auch entsprechend kostspielig, sollten solche Fortbildungen meines Erachtens immer vom Arbeitgeber bezahlt werden, der auch die Arbeitszeit dafür gewähren sollte. Diese Kurse machen auch nur Sinn, wenn ein absehbarer und auch kurzfristiger Nutzen für den Arbeitgeber entsteht. Das betrifft vor allem die technischen Seminare. Sie sind sinnvoll, wenn der Input gleich nach dem Seminar im Job zu nutzen ist. Jetzt einen VHDL-Kurs zu belegen, damit man im nächsten Jahr in einem VHDL-Projekt einsteigt, wird nur bedingt Erfolg bringen.

Nun zu den anderen Fortbildungen, den langfristigen: Ich habe nach meinem Studium Elektrotechnik in der Forschung und Entwicklung angefangen. Hier bin ich auch heute noch tätig.

Dabei habe ich mich früh für eine Fortbildung in Betriebswirtschaft interessiert und habe mich 2001 für die VWA München entschieden. 

Dreimal die Woche ab 18:00 oder 18:30 und einige Samstage pro Semester für sieben Semester. Vor 15 Jahren gab es noch dieses umfangreiche Angebot, wie man es heute in dem Bereich vorfindet. Ich habe die Fortbildung meinem Vorgesetzten verschwiegen und auch die (überschaubaren) Kosten selber getragen. 

Auch bei einem Arbeitgeberwechsel habe ich nichts von der Fortbildung erwähnt. Erst als ich mir nach einigen Semestern sowohl mit meinem Arbeitgeber als auch dem Studium sicher war, habe ich meinen Vorgesetzen über mein Studium informiert. 

Die Reaktion fiel wie befürchtet aus, Zitat: „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir eher eine Stelle im Marketing für Dich vorgesehen, aber nicht in der F&E“. Heute bin ich in der Hierarchie über ihm und immer noch in der F&E.

Auch bei meinem nächsten Zertifikatsstudium - drei Semester „Interkulturelle Kommunikation“ an der FH München - habe ich nicht viel Verständnis von meinen Kollegen und Vorgesetzten bekommen. Und das, obwohl ich zu der Zeit ab und zu internationale Dienstreisen durchgeführt habe, um unseren Service zu unterstützen. Meine Themenschwerpunkte waren damals Japan und Indien; heute bin ich für unsere japanischen Geschäftspartner der zentrale Ansprechpartner.

Was diese zwei beschriebenen Fälle zeigen sollen ist, dass man bei einer langfristigen Fortbildung in erster Linie nach dem eigenen Interesse handeln sollte. Fortbildungen, die nicht im Themenbereich der aktuellen Tätigkeit sind, machen aus Sicht des Vorgesetzten oder auch des Unternehmens nicht immer Sinn. Dann lohnt manchmal Eigeninitiative: Wenn ich damals nicht eigenmächtig gehandelt hätte, würde ich die heutigen Funktionen nicht erfüllen können – und das immer noch im gleichen Unternehmen.

 Und manchem darf man sich auch verschließen. Ab dem Jahre 2010 wurde es bei uns im Unternehmen modern, einen MBA zu machen. Diesem Trend bin ich nicht nachgegangen. Preis und auch die Inhalte haben mich nicht überzeugt. Meines Erachtens überbieten sich die MBA-Schulen mit Internationalität und Praxisbezug und überladen das Programm. 

Auf betriebswirtschaftliche Grundlagen wird meines Wissens weniger Wert gelegt. Es soll ja auch für Betriebswirte, Juristen und Ingenieure gleichermaßen Neues vermittelt werden. Die „Internationalität“ ist auf zwei Vorlesungsaufenthalte à 10 Tagen in USA und China beschränkt – das ist meines Erachtens fragwürdig.

Stattdessen habe ich mich für ein Masterstudium in „Philosophie Politik Wirtschaft“ entschieden und habe es absolut nicht bereut. Diesmal hatte ich auch die volle Unterstützung (mit finanzieller Beteiligung) von unserem Vorstand. 

Hier ist man in den Grundlagen eher noch tiefer gegangen, schließlich sind die meisten wirtschaftlichen Theorien von Philosophen beschrieben worden. Auch die Argumentationstechniken der Philosophie, das exakte Schreiben und auch die Unternehmensethik sind Themen, die in jedem Unternehmen Anwendungen finden. Auch ein tieferes Verständnis für politische und gesellschaftliche Themen hilft.

Mein Fazit von meinen bisherigen Fortbildungen:

1. Spezifische Fortbildungen in Kursen sollten vom Arbeitgeber gezahlt werden und müssen einen direkten Zusammenhang zu der Tätigkeit haben 

2. Langfristige Fortbildungen müssen unbedingt im privaten Umfeld abgesprochen und akzeptiert werden, ob es mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden muss ist fallabhängig 

3. Wer sich für eine langfristige Fortbildung entscheidet muss ein Interesse am Thema haben, ansonsten hält man das nicht durch. 

4. Wenn das Interesse am Thema besteht, braucht es auch kein berufliches Ziel; Möglichkeiten ergeben sich im Nachhinein 

5. Weniger ist mehr: Lieber in eine Ausbildung in den Grundlagen investieren, als nur praxisbezogene Themen „abarbeiten“ – die wahre Praxis ist immer noch anders. 

6. Auch wenn es hier vielleicht nicht hingehört: Wer in Englisch noch nicht sicher ist, braucht an andere Weiterbildungen nicht denken. Priorität im Berufsalltag ist sicheres Englisch! 

 

 



Autor: Corinne Schindlbeck


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